Wie man konkrete ETFs bei deinem Depot kauft, wird später noch an einem Beispiel erklärt. Hier geht es eher generell darum, welche ETFs wir unseren Freunden oder Familien im Moment empfehlen würde.
Am besten hast du dich jetzt aber bereits darum gekümmert, ein Depot zu eröffnen.
In welche ETFs sollte ich investieren?
Wenn du 20 Leute fragst, wirst du 20 unterschiedliche Antworten bekommen. Zum Glück sind viele davon fast identisch und am Ende musst du nur die Details entscheiden. Wir schlagen dir hier drei mögliche und sehr einfache Strategien für Anfänger:innen am Finanzmarkt vor. Wenn du eine Weile im Geschäft bist und Vertrauen gefasst hast, kannst du deine eigene Strategie vielleicht anpassen.
Das Schöne an ETFs ist, dass das Portfolio bereits breit, regional und in unterschiedlichen Branchen diversifiziert ist. Das bedeutet, das Risiko wurde auf viele Unternehmen und Regionen verteilt, die in einem ETF enthalten sind. Das ist für dich und deinen langfristigen Vermögensaufbau super und ein weiterer Grund, sich für günstige Indexfonds zu entscheiden.
STRATEGIE 1: Ein ETF für alles
Am einfachsten ist es, wenn du nur in einen Indexfonds investierst, der den gesamten Weltmarkt abbildet. Die meisten nehmen einen ETF, der dem MSCI World folgt. Das ist ein Weltaktienindex, der ungefähr 1.560 Unternehmen beinhaltet. Wenn du in einen ETF investierst, der den MSCI World nachbildet, verteilst du dein Investitionsrisiko also auf fast 1.600 Unternehmen.
Das Elegante an dieser Strategie ist, dass du nur einen einzigen Sparplan mit einem einzigen ETF anlegen musst und trotzdem ein breit diversifiziertes Portfolio mit hervorragenden Wachstumschancen hast.
Tatsächlich werden die Unternehmen entsprechend ihrer Marktkapitalisierung vom ETF abgebildet. Das bedeutet, ein Schwergewicht wie Apple hat also einen deutlich größeren Anteil in deinem Depot als kleinere Unternehmen (etwa 4 Prozent deines Geldes steckt dann gewissermaßen in Apple).
Hier sind zwei Beispiele mit günstigen Gesamtkosten, damit du dir ein Bild machen kannst. Die folgenden Beispiele sind (noch) keine Kaufempfehlung für diese konkreten ETFs, sondern sollen nur als Anhaltspunkt dienen. Beide ETFs schütten keine Dividenden aus, sondern legen sie direkt wieder an. Das ist aus Steuergründen sinnvoll und für dich bequemer!
| regulär | mit Fokus auf Nachhaltigkeit | |
|---|---|---|
| Beispiel-ETF MSCI World |
Gesamtkostenquote (TER): 0,12 % p. a. |
Gesamtkostenquote (TER): 0,20 % p. a. |
Beachte auch, dass im sogenannten Weltindex ein Großteil der Werte US-amerikanisch sind. Die Süddeutsche Zeitung hat argumentiert, dass die meisten Investoren damit ihr Risiko gar nicht so breit über die Regionen streuen wie gedacht. Finanztip.de wiederum argumentiert, das sei gar nicht so schlimm und dieser Einschätzung schließe ich mich eher an.
Wer seine Investitionen aber etwas breiter streuen will, dem empfehle ich Strategie 2.
STRATEGIE 2: eine gute Kombination aus 2 ETFs
Ich selbst habe zeitweilig zusätzlich zum MSCI World einen weiteren ETF gekauft, der einen Fokus auf wachsende Märkte wie China und Brasilien hatte und damit den sehr westlich (und japanisch) geprägten MSCI World gut ergänzt: der MSCI Emerging Markets.
In diesem ETF sind circa 1.420 Unternehmen enthalten, die in 27 aufstrebenden Ländern der Welt ansässig sind. Das sind allen voran China, Taiwan, Südkorea, Indien und Brasilien.
Eine gute Strategie wäre etwa eine Aufteilung mit 60 % MSCI World ETF und 40 % MSCI Emerging Markets ETF. Dies ist sowohl mit etwas höheren Risiken als auch höheren Chancen verbunden. Wer daher möchte, kann auch eine Aufteilung von 70 % / 30 % wählen.
| Beispiele | regulär | mit Fokus auf Nachhaltigkeit (ESG) |
|---|---|---|
|
MSCI World (60 bis 70 %) |
Gesamtkostenquote (TER): 0,12 % p. a. |
ISIN IE00BG11HV38 Gesamtkostenquote (TER): 0,20 % p. a. |
|
MSCI Emerging Markets (30 bis 40 %) |
Gesamtkostenquote (TER): 0,18 % p. a. |
Gesamtkostenquote (TER): 0,18 % p. a. |
STRATEGIE 3: Der Weltmarkt in vier ETFs
Wie von der Süddeutschen vorgeschlagen, kann sich der gewiefte Anleger selbst einen besser abgebildeten Weltmarkt als den MSCI World ins Depot holen, indem er in vier verschiedene regionale ETFs investiert. Diese Strategie kommt also der Idee den ganzen Weltmarkt im Depot zu haben, um sein Risiko regional gut zu streuen, noch etwas näher.
Um dies zu tun, wählst du für deine Käufe oder Sparpläne die folgende Aufteilung: Wer zu 26 Prozent auf den Index MSCI USA setzt, zu 41 Prozent mit dem MSCI World Emerging Markets Schwellenländer beimischt, zu 27 Prozent den MSCI Europe hinzunimmt und mit 6 Prozent auch den MSCI Japan nicht vergisst, der zeichnet die wahre Weltwirtschaft ziemlich gut nach.
MSCI Japan: 6 Prozent des Depots
MSCI USA: 26 Prozent des Depots
MSCI Europa: 27 Prozent des Depots
MSCI Emerging Markets: 41 Prozent des Depots
| regulär | mit Fokus auf Nachhaltigkeit (ESG) | |
|---|---|---|
|
MSCI Japan (6 %) |
Gesamtkostenquote (TER): 0,12 % p. a. |
Gesamtkostenquote (TER): 0,15 % p. a. |
|
MSCI USA (26 %) |
Gesamtkostenquote (TER): 0,05 % p. a. |
Gesamtkostenquote (TER): 0,07 % p. a. |
|
MSCI Europa (27 %) |
Gesamtkostenquote (TER): 0,12 % p. a. |
Gesamtkostenquote (TER): 0,12 % p. a. |
|
MSCI EmergingMarkets (41 %) |
Gesamtkostenquote (TER): 0,18 % p. a. |
Gesamtkostenquote (TER): 0,18 % p. a. |
In diesem Fall richtest du dir also einen Sparplan mit 4 ETFs ein, die jeweils nur regionale Aktien beinhalten, hast dann aber insgesamt ein weltweit sehr breit gestreutes Portfolio und gute Wachstumschancen. Auch das ist für Anfänger ohne Schwierigkeiten zu machen.
Eigenschaften der ETFs
ETFs haben verschiedene Merkmale, von denen die meisten für dich am Anfang nicht unbedingt wichtig sind. Wichtig ist jedoch, ob du in thesaurierende Fonds oder in ausschüttende Fonds investierst.
Wichtig: Thesaurierende vs. ausschüttende Fonds
Wenn du langfristig Vermögen aufbauen möchtest, z. B. für die Altersvorsorge, wähle thesaurierende Fonds. Hier werden die Dividenden nicht an die Anleger ausgeschüttet, sondern direkt in den Fonds reinvestiert. Dadurch wächst dein Vermögen dynamisch (durch Zinseszins) und du profitierst von steuerlichen Vorteilen.
Wenn du hingegen regelmäßig Einkünfte oder Dividenden aus deinen Investitionen erhalten möchtest, wähle ausschüttende Fonds. Der Fonds überweist dir dann regelmäßig die Dividenden auf dein Referenzkonto. Dies ist dann sinnvoll, wenn du im Ruhestand von deinen Ersparnissen lebst.
ETFs und Währungen
ETFs werden in verschiedenen Währungen gehandelt. Allerdings rechnet deine Bank ohnehin in Euro um, deshalb ist die Währung eines ETFs für dich nicht wichtig. Finanzfluss.de argumentieren in ihrem ETF-Handbuch, dass die Fondswährung eines ETFs nur kosmetisch ist und weder Risiko noch Chance darstellt.
Kurz gesagt: In deinem Portfolio investierst du in Unternehmen aus der ganzen Welt, die in verschiedenen Währungen handeln. (Egal, welche der drei Strategien du für den Anfang wählst.) Die Wechselkurse (z. B. zwischen Euro und US-Dollar) können zwar schwanken, aber da du weltweit und langfristig investiert bist, gleichen sich Chancen und Risiken aus und du musst dich daher nicht gegen Schwankungen absichern. Von sogenannten währungsgesicherten ETFs kannst du also ohne Bedenken Abstand nehmen.
Wichtigkeit von physisch und synthetisch replizierenden ETFs
Ein physisch replizierender ETF kauft tatsächlich die Aktien oder Wertpapiere, um den Index korrekt nachzubilden, während ein synthetisch replizierender ETF den Index indirekt über ein Tauschgeschäft nachbildet. Außerdem gibt es noch die Indexnachbildung durch Sampling, bei der nur eine optimierte Auswahl an Aktien oder Wertpapieren des zugrundeliegenden Indexes gekauft wird.
Aber für Privatanleger:innen spielt es keine Rolle, wie ein ETF einen Index nachbildet. Du solltest den für dich günstigsten Fonds kaufen, was sowohl die Kaufkosten bei deiner Depotbank als auch die regelmäßigen Kosten des Fonds (TER) betrifft. Alternativ kannst du dich auch für günstige, nachhaltige ETFs entscheiden.
Also, was nun?
Wenn du wirklich gar nicht weißt, welche Strategie du nehmen sollst: Nimm die einfachste! Strategie 1 hat sich in vielen Portfolios bewährt und du musst wirklich nur monatlich Geld in einen Aktien-ETF schieben. Wenn du in Zukunft mehr Vertrauen in die Märkte hast, oder mehr Geld zu investieren bereits bist, kannst du ja immer noch überlegen, ob du zusätzliche ETFs mit anderen regionalen Schwerpunkten kaufen möchtest!
